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Kapitel 5

 

Derselbe vornehme Herr sprach sich ferner gegen mich aus: Es ist euch wohl bekannt, daß ihr zur Zeit, da ihr Gottes Willen und seine Gebote geübt, zeitliches Glück genossen, indem die Könige Israels große, mächtige Könige gewesen, denen unsere Vorfahren, wie überhaupt viele Nationen dienstbar waren und ihnen Tribut und Zins entrichten mußten. Nunmehr aber, nachdem ihr euch gegen Gott versündigt, hat sich das Blatt gewandt; das Königsthum ist von euch gewichen und zu uns übergegangen, so wie die Dienstbarkeit von uns gewichen und zu euch übergegangen ist; denn ihr habet jetzt weder König noch Fürst, sondern müßt dienstbar sein allen Völkern des Erdbodens. Nunmehr liefert unser jetziges Glück einen schlagenden Beweis für die Richtigkeit unseres Glaubens, wie eurer früheres Glück den Beweis für die Wahrheit eures Glaubens in der Vorzeit geliefert hatte; ingleichen ist eure jetzige Erniedrigung ein wahrhafter Beweis für euren sündhaften Wandel und die Unwahrheit eures Glaubens.
 
Ich antwortete ihm hierauf:
Deine Beweisführung ist durch und durch unwahr, da es hieniden viele ruchlose Menschen giebt, denen ein Loos zu Theil wird, wie es nur Frommen gebührt, und wieder umgekehrt.
Nicht wahr, der tyrannische Nebukadnezar und Alerander der Mazedonier besaßen die Weltherrschaft, insbesondere die Herrschaft über die israelitische Nation; und gab es wohl in der ganzen Welt nicht bald Könige, denen während ihrer Regierung das Glück so günstig gewesen wäre, wie jenen.
Gleichwohl aber kann dieses Glück Jener nicht den Beweis liefern, daß deren Glaube richtiger gewesen als der, des von ihnen beherrschten Israels, da sie doch bekanntlich Götzendiener und Anbeter des Himmelsheeres gewesen.
Ja, noch heutigen Tages, gestehet ihr Christen selbst ein, daß die Religion der Muhammedaner keine wahrhaft göttliche, sondern eine menschliche, von dem Lügenpropheten, dem Irrlehrer Muhammed erdichtete sei; und gleichwohl sind die Muhammedaner hieniden vom Glück begünstigt, und beherrschen einen großen Theil der Welt, denn ihr Reich umfaßt ganz Asien und Afrika, was, da die Philosophen die Welt in drei Theile theilen, in Europa, Afrika und Asien mehr als Dreiviertel der Welt ausmacht. Kannst du deshalb wirklich behaupten, daß ihr Glück den Beweis für die Richtigkeit ihrer Religion abgebe? - Sieh, auch die h.S. bezeugt das Gegentheil.
So heißt es Jer. 12,1: Warum gelingt den Sündern ihr Weg? f.f. ?
Ferner Spr. Sal. 3,12: Wen Gott liebt, den straft er f.f.
Demnach ist der Beweis, den du von eurem Glück für euren Glauben angeführt, kein wahrhafter Beweis, wie jeder Vernünftige einsieht. i)
 
 

 

 

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